Flucht aus der Idylle

22. Mai 2014.

100 Leute wohnen heute noch in Saxeten. Seit letztem Jahr hat das Berner Oberländer Bergdorf keine eigene Schule mehr. Die Kinder fahren jetzt mit dem Postauto nach Wilderswil. Auf der Rückfahrt ist das Fahrzeug fast leer. Der Chauffeur (er ist nebenbei noch Landwirt und war früher Gemeindepräsident) erzählt Witze. Zum Beispiel: Wenn zwei Saxeter sich begegnen, sagen sie nicht mehr „Salü“. Vielmehr fragen sie: „Ist deine Frau noch nicht davongelaufen?“

Im Dorf, erzählt der Chauffeur, habe es in jüngster Zeit eine bedenkliche Häufung von Trennungen gegeben; diese Frauen, vermutet er, hätten wohl die ruhige Lage des Dorfs nicht mehr ertragen. Was gestressten Flachländern ein perfekter Fluchtpunkt ist, erscheint der ansässigen Bevölkerung offenbar teilweise als Belastung. Doch bei aller Tragik darf man feststellen: Es ist wirklich sehr schön dort oben im Saxettal – siehe die Rundwanderung zur Ramsermatte.