Die ultimative Nusstorte

05. Oktober 2013.


Manchmal gibt’s ja ganz schön dreiste Leute. Da haben Bündner Pioniere vor über 100 Jahren eine der schönsten und eindrücklichsten Bahnstrecken der Welt gebaut – die Berninalinie. Sie verbindet das Engadin mit dem norditalienischen Städtchen Tirano. Und wie nennt man dieses grandiose Werk im Süden, ennet der Grenze? thumb nusstorte

„Il trenino rosso di Tirano“, so sagt man dort. Das rote Zügli haben sie also mir nichts, dir nichts vereinnahmt im Veltlin. Und es geht gerade weiter: Da klauen diese Typen den Bündnern noch gleich die Nusstorte, indem sie im Veltlin selber eine solche Backware herstellen, das Erzeugnis in einen Karton stecken, auf dem ein Bild des Bernina-Express prangt, und darüber schreiben sie „Engadiner Nusstorte“.

Wir sind dieser Unverfrorenheit nach einer Wanderung zur Kirche von San Romerio begegnet. Das Ziel der Route lag in Brusio, und von dort ist es nur noch ein Katzensprung hinunter nach Tirano. Zum Zvieri kosteten wir natürlich die Nachahmung. Und wir kamen ganz schön ins Staunen. Hm, das Ding enthält weder Palmfett noch Schweineschmalz, sondern, ganz wie es sich gehört (und wie man es im Bündnerland vielerorts vergessen zu haben scheint), Butter und Rahm. Es ist zart und mürbe, schmeckt ausgewogen, aber nicht penetrant nussig – ist also so ziemlich die ideale Nusstorte. Und der ganze Fladen kostete gerade mal doppelt soviel wie zwei schlappe Stückchen der vielgerühmten Torte aus dem Hause H. in St. M. (die erst noch viel zu süss und übermässig mit Zitronenaroma ausparfümiert sind).