Der Gletscher im Tannenwald

14. August 2013.

In der Nähe von La Brévine (dem „Sibirien der Schweiz“) liegt, verborgen in dichtem Tannenwald, eine Kuriosität ohnegleichen. Auf gut 1100 m Höhe befindet sich dort ein richtiger Gletscher – der grösste seiner Art, den es in der Schweiz ausserhalb des Alpenraums zu sehen gibt. thumb juragletscher

Gestern war ich mit Thomas Erne im Neuenburger Jura unterwegs. Beruflich leitet er die Geschicke der Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft. Eine seiner privaten Passionen gilt dem Val de Travers. Er kennt dort fast jeden Winkel. Ziel unserer Tour war die Glacière de Monlési, ein riesiger Schacht mitten im Wald, an dessen Grund meterhoch ewiges Eis liegt.

Im 19. Jahrhundert war dieser Gletscher nahezu industriell abgebaut worden. Das gewonnene Eis wurde an Brauereien und Gasthäuser bis nach Paris verkauft. Der Handel mit dem flüchtigen Bodenschatz kam allerdings schon bald wieder zum Erliegen, und der Gletscher konnte sich seither problemlos erholen. Vom einstigen Eisabbau sind jedenfalls keinerlei Spuren mehr auszumachen.

Der Zugang zu dieser merkwürdigen Naturerscheinung ist nicht ganz leicht zu finden, und er erfolgt auch nicht auf einer regulären Wanderroute. Die Tour von Les Sagnettes nach Fleurier ist nur eine von verschiedenen möglichen Varianten, die zur Eisgrotte führen.