14. November 2016.
An einem der letzten goldenen Herbsttage des Jahres traf ich am Lauenensee Sabine Kunz, die dort regelmässig Yoga praktiziert. Der See gilt als sog. Kraftort, und ich wollte von ihr wissen, was damit eigentlich gemeint ist. Meine Auffassung, dieser Begriff sei Geschwätz, unterstützte sie diskret. Später liess ich mir von ihr unvorsichtigerweise einige Yogaübungen zeigen. Anderntags hatte ich seit vielen Jahren erstmals wieder einen kräftigen Muskelkater in den Beinen... Die entsprechende Reportage ist im Magazin WANDERN.CH erschienen. thumb yoga

18. Oktober 2016.
Wer ist schuld, wenn Fido sein Geschäft auf der Wiese verrichtet und die Hinterlassenschaft, wie es seiner Natur gemäss ist, einfach liegen lässt - er selbst oder sein Besitzer? Weder noch! Diese Meinung vertritt man jedenfalls in der Baselbieter Gemeinde Ettingen. Dort wird nämlich der Kot selbst verpflichtet, sich vom Boden aufzuheben. Übrigens: Der eigenartigen Tafel begegnet man auf dem Rebenweg Aesch. thumb hundekot

13. September 2016.
Leichtfüssig stiegen wir vom Restipass ins Lötschental ab, als uns eine gespenstische Erscheinung entgegenkam. Gemessenen Schrittes kämpfte sich ein Helmträger den steilen und steinigen Bergweg empor. Auf seinen Schultern trug er - nein, kein Kreuz, sondern sein Bike. Stirnrunzelnd vergegenwärtigten wir uns die Tatsache, dass wir einem solchen Bild wohl in wenigen Jahren schon nicht mehr begegnen werden. Dannzumal dürften Heerscharen von bejahrten Amateuren auf elektrisierten Mountainbikes durch die Bergwelt pflügen... thumb velotraeger

02. August 2016.
Matteo Zanoli kümmert sich um rund 1400 km Wander- und Bergwanderwege: Bei Locarno-Ascona-Tourismus ist er für den Bau und Unterhalt der Wege in der ausgedehnten Region zuständig, zu der insbesondere die weitläufigen Täler Verzasca, Maggia, Lavizzara und Onsernone gehören. In "seinem" Gebiet liegt auch das Val Bavona, bisher ein weisser Fleck auf meiner persönlichen Wanderkarte. Mit den gewaltigen Felsbrocken, die überall im Talboden und an den Flanken herumliegen, gilt es als das wildeste - und zugleich eines der schönsten - Bergtäler der Schweiz. Ich erkundigte mich beim Kenner nach einer besonders attraktiven Wanderroute. Doch statt einer Tour im Val Bavona ... thumb matteo zanoli

20. Juli 2016.
Hinter der Kirche des Dörfchens Salvan im Val de Trient steht ein etwa fünf Meter hoher Findling. "La pierre bergère" (Schäferstein), wie er genannt wird, ist oben einigermassen flach. Dank einer Metalltreppe kann man problemlos hinaufsteigen. 1895 war der Felsblock Schauplatz eines geschichtsträchtigen Experiments. Der italienische Naturwissenschafter und Privatgelehrte Guglielmo Marconi stellte dort die ersten praktischen Versuche auf dem Gebiet der drahtlosen Informationsübermittlung an. Bei den Experimenten half ihm Maurice Gay-Balmaz, ein aufgeweckter Zehnjähriger aus dem Dorf. thumb marconi

06. Juli 2017.
La Brévine
La Brévine
Wenn man's nicht wüsste, dass man im Jura ist, bräuchte man bloss die Speisekarte der Dorfbeiz zu konsultieren. In der Auberge "Au Loup Blanc" empfehlen sie Froschschenkel. Auf der anderen Seite des Dorfplatzes, neben der Kirche, hängt am Gemeindehaus eine Temperaturanzeige. "+18" heisst es dort an diesem Frühsommermorgen. Auch am Kältepol der Schweiz (wo es im Winter gut und gerne minus 30 oder noch kühler werden kann) ist heute ein heisser Tag zu erwarten.

04. Juli 2016.
Am Wanderweg nach Göschenen
Am Wanderweg nach Göschenen
Seit Jahrhunderten durchqueren Menschen den Kanton Uri auf der Reise in den oder aus dem Süden. Die alten Säumerpfade sind freilich mittlerweile begraben unter den Strassen, die man auch hier genau dort baute, wo es am praktischsten war - also auf bestehenden Trassees. Dennoch kann man das Urnerland wandernd erkunden, zum Beispiel auf der Via Gottardo von Erstfeld nach Göschenen. Die Autobahn ist zwar oft allgegenwärtig, und auch von der Eisenbahn kriegt man einiges mit. Zwischendurch aber gibt es bezaubernde, stille und einsame Orte zu entdecken, an denen es nur Steine, Wasser, Wald und Gras gibt. Später jedoch begegnet man erneut dem europäischen Transportirrsinn.

24. März 2016.
thumb lully Wir unternahmen einen Spaziergang durch das Genfer Hinterland (Lully-Laconnex: Rebberge, Wälder, Wiesen - also viel Grün und Natur) und strandeten am Ziel im Café "Chez le docteur", wo eine Tafel "Apérothérapie" empfahl. Selbiger unterzogen sich im urchig-heimeligen Etablissement einige ältere Herren aus dem Dorf, es ging ja auf Mittag zu. An der Wand stach uns ein Metallkasten ins Auge. Er enthielt 60 regelmässig angeordnete und nummerierte Schlitze. Der "Cagnomatic", wie das klobige Ding heisst, ist ein Kind der 1960er-Jahre. Damals wurde er verschiedenenorts in Dorfbeizen installiert.

03. März 2016.
Bank mit Besen
Bank mit Besen, bei Ardez (Unterengadin)
Winterwander-Recherchen im Engadin Ende Februar 2016. Winter? Die Schneehöhe variierte zwischen 2 cm (Sonnenhang), 10 cm (Schattenhang) und 30 cm (beschneite Piste). Etwas verloren wirkten die Handbesen und die Schäufelchen, die an den meisten Aussichtsbänken angebracht sind. Die Gerätschaften sind eine nette, ja geradezu fürsorgliche Geste: Wenn es frisch geschneit hat und man sich auf der Bank ausruhen möchte, braucht man sich nicht auf den Schnee zu setzen, sondern kann ihn vorher wegbeseln. Dann kam der März und mit ihm nach alter Vorstellung das neue Jahr. In den Dörfern ziehen blaugewandete Kinder mit Kuhglocken umher, besammeln sich zwischendurch und singen Lieder. In Scuol und natürlich auch im "Schellenursli"-Dorf Guarda ist der Chalandamarz eine Art touristischer Event. Dahinter steckt aber mehr, nämlich ein traditionsreicher, seit unzähligen Generationen gepflegter Brauch.